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Caritasverband für Wattenscheid
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50 Jahre Caritasverband für Bochum e.V 1919-1969
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Geschichte - Gründung  

Geschichte Teil 1: Die Gründung

 

Zeichnung von Justizrat Siegismund Diekamp, Gründer des Bochumer Caritasverbands
Justizrat Sigismund Diekamp,
Gründer des Caritasverbands Bochum

Der Caritasverband für Bochum e.V. wurde am 9. März 1919 gegründet. Die Gründung des Caritasverbands für Wattenscheid erfolgte bereits knapp vier Jahre Jahre früher am 24. September 1915. In beiden Städten ging die Initiative damals von engagierten Bürgern, Vereinen und Priestern der katholischen Kirchengemeinden aus. Ziel war es, die zahlreichen bereits existierenden sozial-caritativen Initiativen in einem Spitzenverband zusammenzuführen, um noch effektiver auf die sozialen Nöte in Bochum reagieren zu können. 

Einen Tag nach der Gründungsversammlung des Bochumer Caritasverbands berichtete die Westfälische Volkszeitung:

Im Weißen Saal der Bürgergesellschaft fand gestern nachmittag eine Versammlung statt, die von der Geistlichkeit sowie von Damen und Herren, die in der werktätigen christlichen Nächstenliebe arbeiten, erfreulich zahlreich besucht war. Zweck der Versammlung war die Aussprache über die Zusammenfassung der caritativen Betätigung und Bestrebung in Form eines Caritasverbandes. Der Leiter der Versammlung, Herr Justizrat Diekamp, schilderte in längerer, von warmherzigem Empfinden getragener Rede die Aufgaben und Ziele des Caritasverbandes. Die Gründung eines Verbandes, die schon seit langem als notwendig angesehen wurde, ist bisher unterblieben, weil sie die Errichtung eines Sekretariates notwendig machte und dessen Besetzung nicht erfolgen konnte.

Doch die Geschichte des Bochumer Caritasverbands reicht noch weiter in die Vergangenheit zurück. Bereits 1876 wurde die erste Vinzenzkonferenz an der Propsteikirche gegründet: die Peter-und-Paul-Konferenz. Zwei Jahre später, 1878, konstituierte sich die St. Josefs-Konferenz. Die Vinzenzarbeit, aber auch das soziale Engagement der Elisabeth-Konferenzen war für die Bochumer Pfarreien eine solche Selbstverständlichkeit, dass vielfach in den Stadtteilen oder Vororten Vinzenz- und Elisabethkonferenzen entstanden, bevor dort eine Pfarrei errichtet wurde. Gleichzeitig entstanden weitere soziale Einrichtungen wie das St.-Vinzenz-Kinderheim (1887), das St.-Anna-Stift und das St.-Marien-Stift (1895) sowie das St. Johannes-Stift (1907) und das St.-Mauritius-Stift (1912). Im Jahr 1903 wurde außerdem der SKM – Kath. Verein für Soziale Dienste in Bochum e.V. und zwei Jahre später der SkF – Sozialdienst kath. Frauen Bochum e.V. gegründet.

Es war kein Zufall, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche christliche Verbände nach Hilfemöglichkeiten für Arme und Bedürftige suchten. Die fortschreitende Industrialisierung führte zur Verstädterung und zur Verelendung weiter Volksschichten. Davon waren nicht nur arbeitslose oder arbeitsunfähige Personen betroffen, sondern immer mehr auch ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung, der knapp unterhalb des Existenzminimums leben musste. Nach einer Lösung der "Sozialen Frage" wurde auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen gesucht. In der Politik fanden sich Diskussionen, inwieweit der herrschende Wirtschaftsliberalismus eingeschränkt werden und der Staat regulierend eingreifen sollte, also die Zustände reformiert werden sollten. Katholische Vertreter waren zunächst der Meinung, dass eine "Gesinnungsreform" in der Bevölkerung, also eine Rückbesinnung auf Religion und individuelle Caritas, ausgehend von der katholischen Kirche, die verheerenden Zustände zu mildern vermöge, die sie durch die Entfesselung des Egoismus, durch Sünde und Verwahrlosung hervorgerufen sah.

Mit Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts wurden jedoch die Rufe nach staatlichem Eingreifen zur Verbesserung der sozialen Situation auch auf katholischer Seite immer lauter und setzten sich durch. Mit der Gründung der Zentrumspartei im Jahr 1871 wurden katholische Positionen zum Arbeiterschutz und Kampf gegen den Wirtschaftsliberalismus auch auf dem politischen Parkett vertreten. Leo XIII. formulierte in seiner Sozialenzyklika Rerum novarum (1891) eine verbindliche Soziallehre. Das Recht auf Privateigentum und auf Solidarität wurde ebenso wie die Subsidiarität (Privatinitiative unter Mithilfe größerer Gemeinschaften bzw. des Staates bei sozialer Überforderung des Einzelnen und des Einzelnen für alle) betont. In diesem Sinne bemühten sich katholische Vertreter konkret um eine Verbesserung der Situation einzelner Bevölkerungsgruppen. Bekanntestes und sehr frühes Beispiel für praktische Sozialarbeit war sicherlich Adolph Kolping (1813-1865) und die von ihm ins Leben gerufenen katholischen Gesellenvereine (seit 1846).

Nachdem der Staat mit einer umfassenden Sozialgesetzgebung (Kranken-, Unfall-, Alters- und Invalidenversicherung) einen wesentlichen Schritt zur Abhilfe der miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen gemacht hatte, verstärkten die nichtstaatlichen Wohlfahrtsvereinigungen ihre Bemühungen um vom Staat vernachlässigte Gesellschaftskreise wie Trinker, Gefährdete, Wanderer, Gefangene, Behinderte und Landmädchen, die zur Arbeit in die Städte kamen. Im Gegensatz zu den ausschließlich finanziellen Hilfen des Staates konnten diese Vereine auch soziale Dienstleistungen anbieten. So entstanden in dieser Zeit zahlreiche Fürsorge-Vereine und -Einrichtungen, die sich z.B. um elternlose oder verwahrloste Kinder und Jugendliche kümmerten.

Nach Ende des 1. Weltkriegs sahen sich die sozial-kirchliche Organisation mit einem bis dahin nie dagewesenen Ausmaß an Not konfrontiert. In Folge dessen benannte Justizrat Diekamp für den neu zu gründenden Bochumer Caritasverband folgende Aufgabenbereiche: die Wöchnerinnen- und Säuglingsvorsorge, die Kinderkrippen, Sorge um Halb- und Ganzwaisen, das Vormundschaftswesen, Kriegspatenschaften, die Unterbringung von Schulkindern und schulentlassenen Mädchen vom Lande usw. Auch die heimkehrenden, zum Teil wurzellos gewordenen Soldaten stellten den Caritasverband im Jahr seiner Gründung vor große Herausforderungen.

Es war eine bewegte Zeit, in der sich der Caritasverband Bochum vor 90 Jahren gründete. Auch in den Folgejahren hat der Verband immer wieder unruhige Zeiten durchlebt. Stets galt es, sich veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen und eine Antwort auf die sich wandelnden sozialen Nöte zu finden. 

Weitere Informationen zur Geschichte des Bochumer Caritasverbands finden Sie hier.

 

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