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Geschichte - Die Folgejahre  

Geschichte Teil 2: Die Folgejahre

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

In der Weimarer Republik haben vor allem Kinder unter der Wirtschaftsmisere zu leiden. Zusammen mit der Inneren Mission organisiert der Caritasverband Bochum Kur-Erholungsmaßnahmen, die es Stadtkindern ermöglichen, in frischer Landluft zu neuen Kräften zu finden. Die Bahnhofsmission kümmert sich außerdem um Mädchen und Frauen, die vom Land in die Stadt kommen, um dort Arbeit zu finden. In der Bahnhofsmission finden sie Schutz und Hilfe.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Während des Nationalsozialismus wird die Arbeit des Bochumer Caritasverbands stark eingeschränkt und behindert. Einrichtungen werden geschlossen und die Kindererholung wird aus ideologischen Gründen der NS-Organisation "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" (NSV) zugeführt.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg steht der Caritasverband für Bochum e. V. vor dem Nichts und muss komplett neu aufgebaut werden. Hungersnot und menschliches Elend sind allgegenwärtig. Wieder sind es die Kinder, die besonders stark unter den Kriegsfolgen leiden. Der Caritasverband organisiert Erholungsmaßnahmen auf dem Land. Die Bahnhofsmission weitet ihre Arbeit aus und ist erste Anlaufstelle für Heimkehrer und Flüchtlinge. Auf dem Horkenstein in Unterdahlhausen entsteht die erste Familienpflegeschule in Westfalen, deren Absolventinnen sich um Familien in "besonderen Lebenslagen" kümmern.

Fünfziger Jahre

1958: Caritasdirektor Kessels beim
Abschied von seinden Mitarbeitern 

In den Jahren des Wirtschaftswunders kann die Bochumer Caritas ihr Aufgabengebiet schrittweise vergrößern. Zum umfassenden Erholungsangebot gehören inzwischen Ferienfreizeiten und Stadtranderholungen für Kinder, Mütterkuren, Familienerholungen und Erholungsmaßnahmen für alte Menschen. Im Jahr 1959 gründet der Caritasverband zusammen mit der Inneren Mission das "Christophorushaus", in dem nichtsesshafte Männer eine neue Bleibe finden. Im April 1961 ziehen die ersten Schülerinnen in die Vorschule für soziale Berufe in der ehemaligen "Gröppel-Villa" an der Königsallee ein. Der Flüchtlingsstrom aus dem Osten hat nachgelassen, doch reisen jetzt zahlreiche "Aussiedler" nach Deutschland ein. Um diesen Personenkreis kümmert sich die Caritas Bochum im Rahmen einer Hilfe- und Beratungsstelle für Spätausgesiedelte.

Sechziger Jahre

Caritasdirektor Josef Ernesti
(1958 - 1994)

In den 60er Jahren übernimmt zunehmend der moderne Sozial- und Rechtsstaat die Aufgabe, seine Bürger in Lebenskrisen zu unterstützen. Die "Fürsorge" wird zu einem Rechtsanspruch für alle Bürger der Bundesrepublik. Auch der Caritasverband für Bochum baut sein Hilfe- und Beratungsangebot weiter aus. Am 1. Oktober 1965 wird in der Katholischen Familienbildungsstätte am Bergbaumuseum eine Beratungsstelle für Erziehungs- und Familienfragen eröffnet.

Im gleichen Jahr nimmt das Altenheim Riemke im ehemaligen Knappenheim Constantin seine Arbeit auf. Mit dem Zuzug von Gastarbeitern aus den südeuropäischen Ländern entsteht ein weiterer neuer Arbeitsbereich. So sind Mitte der 60er Jahre allein in den Opel-Werken 640 spanische Arbeitskräfte tätig. Viele von ihnen lassen ihre Familien nachkommen. Zusammen mit dem Diözesancaritasverband richtet der Caritasverband Bochum im Kolpinghaus eine Betreuungsstelle ein, die den Neuzugezogenen im deutschen Alltag mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ein wichtiger Bestandteil der caritativen Arbeit sind nach wie vor Erholungsmaßnahmen für Kinder, Familien und alte Menschen. Um die große Nachfrage nach Erholungsreisen zu decken, erwirbt der Caritasverband Bochum 1962 ein Haus in der Nähe des Dülmener Sees und führt es fortan als Erholungsheim "St. Barbara". Fast zeitgleich wird ein Bauernhof im kleinen westallgäuischen Ort Rutzhofen in ein Ferienhaus für Familien umgerüstet. Zwei Jahre später kommt "Haus Winfried" auf der niederländischen Nordseeinsel Terschelling als weitere verbandseigene Erholungseinrichtung hinzu.

Siebziger Jahre 

Ferien für Mutter und Kind in
Haus Winfried (Terschelling)

Die 70er Jahre sind gekennzeichnet durch eine zunehmende Professionalisierung der sozialen Arbeit. Der Beruf des "Fürsorgers" wird durch den "Sozialarbeiter" ersetzt, dessen Ausbildung fortan an Fachhochschulen erfolgt. Es entwickelt sich ein Netz spezialisierter Facheinrichtungen. Im Zuge dieser Entwicklung gründet der Bochumer Caritasverband 1972 am Lohberg das "Rehabilitationszentrum für psycho-soziale Behinderte", das sich mit seinem multiprofessionellen Team um Nichtsesshafte, Suchtkranke und Menschen mit psycho-sozialen Problemen kümmert.

Auch die Arbeit der Beratungsstelle für Erziehungs- und Familienfragen wird weiter ausgebaut: Die Räume in der Katholischen Familienbildungsstätte reichen nicht mehr aus, um die wachsende Zahl junger Ratsuchender aufzunehmen, weshalb ein neues Hilfezentrum an der Ostermannstraße errichtet wird. Das weitläufige Gebäude ist bei seiner Eröffnung im Jahr 1979 eine Innovation, kaum eine andere Einrichtung in Deutschland bietet eine vergleichbare Therapievielfalt.

In die gleiche Zeit fällt auch die Gründung der Caritas-Gemeindestationen (heute: Caritas-Pflegedienste), die die Aufgabe übernehmen, kranke und alte Menschen in den Pfarrgemeinden zu pflegen. Wurde die Gemeinde-Krankenpflege bis dahin überwiegend von den traditionellen Krankenpflegestationen der Pfarreien und den dort ansässigen Ordensschwestern ausgeübt, sind jetzt die Fachkräfte der Caritas gefragt, weil die Orden unter Nachwuchsmangel leiden.

Achtziger Jahre

In den 80er Jahren sehen sich Staat und Wohlfahrtspflege mit dem bis dahin unbekannten Problem der Massenarbeitslosigkeit konfrontiert. Soziale Notlagen und daraus resultierende persönliche und familiäre Probleme nehmen zu. Der Caritasverband für Bochum e.V. verzeichnet in seinen Beratungsstellen stetig steigende Fallzahlen, weshalb das Hilfeangebot abermals vergrößert wird. So wird im Jahr 1981 das "Psychosoziale Beratungs- und Behandlungszentrum am Lohberg" (heute: Caritas-Suchthilfezentrum) durch die Einrichtung einer Tagesklink zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen erweitert.

Im Jahr 1984 entsteht außerdem die "Psychosoziale Gemeinschaftswohnung" (heute: Blomenberg-Haus), die langjährig alkoholholkranke Menschen aufnimmt und diesen eine abstinente Lebensführung ermöglicht. Nachdem der SkF – Sozialdienst katholischer Frauen im Jahr 1981 ein Frauenhaus gegründet hat, übernimmt der Caritasverband 1984 die Trägerschaft der Einrichtung und bietet fortan bis zu 14 Frauen und 20 Kindern Schutz vor körperlicher und seelischer Misshandlung.

Die zunehmende Zahl alter Menschen veranlasst den Bochumer Caritasverband, im Altenheim Riemke (heute: Seniorenzentrum St. Franziskus) mit einem Erweiterungsbau 57 neue Pflegeplätze zu schaffen. Im Jahr 1988 wird außerdem eine Kurzzeit-Pflegestation eröffnet, die pflegebedürftige Menschen aufnimmt, wenn die häusliche Pflege vorübergehend nicht möglich ist.

Neunziger Jahre und Beginn des 21. Jahrhunderts 

Caritasdirektor Dieter Engelke
(1994 - 2006)

Die 90er Jahre und das beginnende 21. Jahrhundert sind geprägt durch wirtschaftliche Probleme, öffentliche Finanzierungskrisen und internationale Spannungen. Der Sozialstaat gerät zunehmend in die Kritik. Zum Teil werden staatliche Leistungen, die über Steuern und Abgaben sowie Neuverschuldung des Staates nicht mehr finanziert werden können, gekürzt. Diese Entwicklung beeinflusst auch die kirchlichen Strukturen und die Arbeit der Caritas. Angesichts eines immer stärker werdenden ökonomischen Drucks sieht sich die Caritas zunehmend mit der Frage konfrontiert, welche sozialen Dienste weiterhin realisierbar sind.

Dennoch gelingt es dem Bochumer Caritasverband, neue Arbeitsbereiche zu erschließen. So wird im Frühjahr 1991 das "Fachseminar für Altenpflege" gegründet. Wenig später folgt die Eröffnung der Kinderschutzambulanz "Neue Wege" – Ärztliche und psychosoziale Beratungsstelle gegen Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch von Kindern. Das "Altenzentrum St. Franziskus" (heute: Seniorenzentrum St. Franziskus) in Bochum-Riemke erweitert im Jahr 1995 sein stationäres Angebot auf 91 Pflegeplätze und schafft mit der Senioren-Tagespflege eine neue teilstationäre Pflege- und Betreuungsform für Senioren. Im Oktober gleichen Jahres eröffnet der Bochumer Caritasverband in der ehemaligen Pflegevorschule das "Hospiz St. Hildegard". Außerdem startet der Verband an mehreren Bochumer Grundschulen das Programm "Schule von 8 bis 1" und engagiert sich fortan als Träger der Freien Jugendhilfe im Bereich der Schulbetreuung. Im Jahr 1996 werden mit den Kindergärten "St. Viktoria" und "St. Lioba" sowie der Kindertagesstätte "St. Benedikt" gleich drei neue Einrichtungen gegründet, um die Kirchengemeinden und die Kommune bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz zu entlasten und kommunalpolitische Verantwortung zu übernehmen. Ein Jahr später nimmt das "Freiwilligen-Zentrum Bochum" seine Arbeit auf.

Es folgen der Neubau der Senioren-Kurzzeitpflege in den Jahren 2000 und 2001 sowie in 2003 die Eröffnung des "Kontakt- und Beratungszentrums" mit integriertem Sozialpsychiatrischen Dienst für alkoholkranke Menschen an der Lünsender Straße. Bereits 1997 wird das Beratungsangebot von "Neue Wege" um die therapeutische Betreuung von minderjährigen sexuellen Missbrauchern erweitert, die zunächst in den Räumen von neuLand stationiert ist. Im Jahr 2002 können die Mitarbeiter eigene Räume in der Klinikstraße beziehen. Ein Jahr später wird im Gebäude der Erziehungsberatung die Kinderhilfeambulanz "Pluspunkt" gegründet.

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